Flämische Regisseure schreiben in Cannes Geschichte

  • Mai 30, 2022
Gestern Abend wurden die Preise des 75. Festivals von Cannes verliehen: Close von Lukas Dhont erhielt den Grand Prix, De acht bergen von Felix van Groeningen und Charlotte Vandermeersch wurde mit dem Prix du Jury ausgezeichnet. Die flämische Koproduktion Tori et Lokita der Brüder Dardenne wurde mit dem Prix du 75ème ausgezeichnet.

 

Schon vor dem Start war diese 75. Ausgabe des Festivals von Cannes ein historisches Ereignis für den flämischen Film. Noch nie wurden drei Titel von flämischen Filmemachern in die offizielle Auswahl aufgenommen. Diese historische Leistung wurde heute Abend bei der Abschlussveranstaltung besonders deutlich, als die Jury, bestehend aus u.a. Noomi Rapace, Asghar Farhadi, Joachim Trier und dem Vorsitzenden Vincent Lindon, mehrere flämische Titel auszeichnete.

Neben den Auszeichnungen für Close, De acht bergen und Tori et Lokita stehen noch weitere Filme mit flämischem Bezug auf der Liste. Die Caméra d'Or für den besten Erstlingsfilm ging an War Pony, das amerikanische Spielfilmdebüt von Riley Keough und Gina Gammell, produziert von Caviar. Der Prix Un Certain Regard, der Hauptpreis für die wichtigste Nebensektion in Cannes, wurde bereits gestern an Les pires von Lise Akoka und Romane Gueret verliehen, einen französischen Film, in dem der Schauspieler Johan Heldenbergh eine der Hauptrollen spielt.

In einer ersten Reaktion auf die Preisverleihung erklärte der flämische Ministerpräsident und Kulturminister Jan Jambon: "Das diesjährige Festival von Cannes war flämischer denn je. Das ist ein großer Impuls für unsere flämische Filmindustrie. Der Gewinn des Grand Prix und des Prix du Jury wird aktuellen und zukünftigen Filmemachern Inspiration und Hoffnung geben, eines Tages hier zu stehen und einen Preis zu gewinnen."

Der Direktor des Flämischen Audiovisuellen Fonds (VAF), Koen Van Bockstal, fügt hinzu: "Mit fünf flämischen Regisseuren in der offiziellen Auswahl und drei im Wettbewerb war 2022 ohnehin schon ein besonderes Jahr für den flämischen Film in Cannes. Den Grand Prix zu gewinnen, würde man nicht einmal zu hoffen wagen, und es ist das erste Mal in der Geschichte des Festivals und des VAF. Herzlichen Glückwunsch an Lukas Dhont, Felix van Groeningen, Charlotte Vandermeersch und alle flämischen Filmemacher in Cannes im Namen der VAF und des gesamten flämischen Sektors. Eine völlig verdiente Anerkennung für so viel Talent".

 

Close erobert die Herzen und gewinnt den Grand Prix in Cannes

Die Weltpremiere von Close am vergangenen Donnerstag wurde vom Publikum in Cannes mit 15-minütigen Standing Ovations begrüßt. Die jungen Hauptdarsteller Eden Dambrine und Gustav De Waele waren zusammen mit Regisseur Lukas Dhont und einer großen Anzahl von Darstellern und Mitarbeitern auf dem roten Teppich anwesend, wo sie begeistert empfangen wurden.

Die gute Aufnahme von Close wird nun mit dem Grand Prix gekrönt, einen Preis, den sich der Film mit Stars at Noon von Claire Denis teilen muss.

In Close geht es um Leo und Remi, 13 Jahre alt, Freunde seit Ewigkeiten. Bis ein unvorstellbares Ereignis sie auseinandertreibt. Voller Unverständnis wendet sich Leo an Sophie, die Mutter von Remi. Close ist ein Film über Freundschaft und Verantwortung.

Für Close arbeitete Lukas Dhont mit dem Co-Drehbuchautor von Girl, Angelo Tijssens, zusammen. DOP ist Frank van den Eeden, Alain Dessauvage hat den Schnitt gemacht. Die Produzenten sind Dirk Impens und Michiel Dhont für Menuet.

Im Oktober wird Close auf dem Film Fest Gent gezeigt und anschließend wird der Verleih Lumière den Film in die Kinos bringen. International wird der Film von The Match Factory vertrieben, die diese Woche bereits die ersten internationalen Deals bekannt geben konnten: Die Vertriebsrechte wurden an MUBI (für Großbritannien/Irland, Lateinamerika, die Türkei und Indien) und A24 (für Nordamerika) verkauft.

Close ist eine Produktion von Menuet, Diaphana Films, Topkapi Films und Versus Production in Koproduktion mit VTM und RTBF.

 

Fünf Sterne und der Prix du Jury für De acht bergen

De acht bergen von Felix van Groeningen und Charlotte Vandermeersch wurde in den ersten Tagen des Festivals von Cannes uraufgeführt. Die Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers von Paolo Cognetti wurde nicht nur von den Zuschauern, sondern auch von der Presse positiv aufgenommen, was durch eine Fünf-Sterne-Kritik im The Guardian gekrönt wurde.

Heute Abend wurde De acht bergen mit dem Prix du Jury ausgezeichnet, ex aequo mit dem polnischen Spielfilm EO von Jerzy Skolimowski.

De acht bergen erzählt die Geschichte von Pietro und Bruno, einem Jungen aus der Stadt und einem aus den Bergen, die sich im Alter von 11 Jahren anfreunden und einen vergessenen Teil der Alpen zu ihrem Reich machen. Ihr Leben dehnt sich aus, sie verlieren sich und finden sich wieder. Während Bruno seinem Berg treu bleibt, reist Pietro durch die Welt. Eine Reise durch Einsamkeit und Liebe, durch Herkunft und Schicksal, durch Freundschaft, Leben und Tod.

Die Hauptrollen in dieser italienisch-belgisch-französischen Koproduktion spielen Luca Marinelli und Alessandro Borghi. Felix van Groeningen und Charlotte Vandermeersch haben nicht nur Regie geführt, sondern auch das Drehbuch geschrieben. In den Credits des Films finden wir weitere bekannte Namen, darunter DOP Ruben Impens und Mechaniker Nico Leunen.

Der Hauptproduzent von De acht bergen ist die italienische Firma Wildside, der flämische Koproduzent ist Hans Everaert von Menuetto. Weitere Koproduzenten sind Rufus (BE), Pyramide Productions (FR) und Vision Distribution (IT), mit Louis Tisné für Elastic Film als ausführendem Produzenten.

Kinepolis Filmverleih wird De acht bergen noch in diesem Jahr in die Kinos bringen, in den Niederlanden wird der Film von Dutch FilmWorks und in Frankreich von Pyramide vertrieben. Der Film wird international von Vision Distribution vertrieben.

 

Zweimalige Gewinner der Goldenen Palme erneut mit Preisen ausgezeichnet

Die flämische Koproduktion Tori et Lokita, der neueste Film der Gebrüder Dardenne, lief in Cannes im offiziellen Wettbewerb und wurde von der Jury mit dem Prix du 75ème ausgezeichnet, einem einmaligen Preis zu Ehren der 75-jährigen Ausgabe des Festivals.

Tori et Lokita handelt von einem Jungen und einem Mädchen im Teenageralter, die allein von Afrika nach Europa migriert sind. Sie nutzen ihre unbesiegbare Freundschaft, um die schwierigen Umstände ihres Lebens zu meistern.

Der flämische Partner in dieser belgisch-französischen Koproduktion ist Bart Van Langendonck für Savage Film. In Belgien wird der Verleih Cinéart den Film noch in diesem Jahr in die Kinos bringen, Wild Bunch ist für den internationalen Rechteverkauf zuständig.

 

Cannes in flämischen Farben

Neben Close, De acht bergen und Tori et Lokita gab es noch einen vierten belgischen Titel in der offiziellen Auswahl von Cannes: Rebel, der neueste Film von Adil und Bilall, ihre erste flämische Produktion seit Patser, wurde letzten Donnerstag als Midnight Screening (außer Konkurrenz) uraufgeführt.

Close, Rebel, De acht bergen und Tori et Lokita wurden mit Unterstützung des VAF/Filmfonds des flämischen Kulturministers Jan Jambon gedreht. Der Wirtschaftsfonds Screen Flanders, eine Initiative unter der Leitung des flämischen Wirtschaftsministers Jo Brouns und des Kulturministers Jan Jambon, investierte ebenfalls in Rebel und De acht bergen.

 
 
 
 
Close van Lukas Dhont
Ausschnitt aus dem Film "Close" © Frank van den Eeden
zwei junge Menschen im Bus, sehen aus dem Fenster
Ausschnitt aus dem Film "Tori et Lokita" ©Christine-Plenus